Von Herbert Saurugg, M.Sc. Vom 3. bis zum 7. Januar 2026 kam es im Berliner Südwesten in den Stadtteilen Nikolassee, Steglitz-Zehlendorf, Lichterfelde und Wannsee zum schwersten und längsten Stromausfall in der Geschichte Berlins seit dem Zweiten Weltkrieg. Auslöser des Schwarzfalls war ein gezielter Brandanschlag auf eine infrastrukturell neuralgische Kabelbrücke über dem Teltowkanal am Samstagmorgen.
Für die Strominfrastruktur der deutschen Hauptstadt stellt diese Kabeltrasse einen zentralen Flaschenhals der Elektrizitätsversorgung aus dem nahegelegenen Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk Lichterfelde des Betreibers BEW Berliner Energie und Wärme GmbH mit einer elektrischen Gesamtleistung von 300 MW sowie einer thermischen Leistung von 609 MW dar. Wie bereits beim ersten großen Berliner Stromausfall im Februar 2019 wurden durch den Anschlag auf die elektrische Energieversorgung der Stadt mehrere 110 kV-Hochspannungskabel sowie 10 kV-Mittelspannungskabel der Trasse und somit die Redundanz zerstört. Damals wurde der Schaden durch Bauarbeiten verursacht. Die Wiederherstellung der improvisierten Verbindungen, die unter den aktuellen Wetterbedingungen normalerweise Wochen andauern würde, gelang den Einsatzkräften in einer Rekordzeit von rund 100 Stunden. Die Wiederherstellungsdauer der regulären Verbindungen wird aktuell mit Monaten angegeben.
Rund 100.000 Menschen (ca. 45.000 Haushalte) sowie etwa 2.200 Betriebe waren von dem fünftägigen, flächendeckenden Stromausfall in Berlin betroffen. Es kam zu zahlreichen Ausfällen und erheblichen Einschränkungen im Öffentlichen Personennah- und Straßenverkehr, massiven Einschränkungen bei der Telekommunikation, Ausfällen bei Hausnotruf- und Klingelsystemen, Störungen in der Wasserversorgung (Druckerhöhungsanlagen), Heizungsausfällen über mehrere Tage bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, Störungen bei Supermärkten, Bäckereien und anderen Versorgungseinrichtungen (Kühlketten, Kassensysteme), teils mit Schließungen oder einem stark eingeschränkten Betrieb über mehrere Tage und Notbetrieb in mehreren Krankenhäusern. Rund 70 Pflegeeinrichtungen mussten mit externem Notstrom versorgt werden, zwei Pflegeheime mussten evakuiert werden. Beim Wiederaufbau der Infrastruktur kam es zu Wiederanlaufschwierigkeiten durch gestörte oder beschädigte Anlagen (Heizungen, Elektrogeräte). Aktuellen Schätzungen zufolge belaufen sich die wirtschaftlichen Schäden für Unternehmen, Handel, Handwerk und Dienstleister im betroffenen Gebiet auf mehrere Millionen Euro.
Der Berliner Stromausfall widerlegt einmal mehr die weitverbreitete Annahme einer unverwundbaren Stromversorgung, auch wenn dies in weiten Regionen und für die meisten Menschen weiterhin zutrifft. Das Problem ist weniger der Ausfall selbst als vielmehr die Unvorbereitetheit und Überraschtheit, welche eine rasche und geordnete Bewältigung erschweren. Auch wenn ein großer Aufwand betrieben wird, um die hohe Versorgungssicherheit zu gewährleisten, gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Das gilt umso mehr in Zeiten steigender Turbulenzen. Resilienz in Form einer Vorwegnahme möglicher Entwicklungen sowie einer rechtzeitigen Anpassung und einer generellen fundierten Blackout-Vorsorge trägt in diesem Zusammenhang wesentlich zu einer erfolgreichen Krisenbewältigung bei. In Bezug auf die Täterschaft gibt es weiterhin nur Spekulationen, aber noch keine gesicherten Erkenntnisse. Fakt ist: Egal aus welcher Richtung der Extremismus kommt oder ob sogar staatliche Akteure dahinterstecken: Unsere Infrastruktur ist angreifbar! (Bildquelle: Pixabay)
Herbert Saurugg, Major außer Dienst, ist ein internationaler Blackout- und Krisenvorsorgeexperte sowie Präsident der Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV), auf deren Internetseite https://gfkv.org/ sich auch weiterführende Informationen zum Thema finden.