Die Straße von Hormus (persisch: Hormoz) ist eine Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet. Sie ist der weltweit wichtigste Engpass für die Exporte von Erdöl und flüssigem Erdgas. Etwa ein Fünftel der globalen Erdöl- und Flüssigerdgas-Transporte passieren jährlich diesen Wasserweg, wodurch ihm eine strategische Bedeutung für die weltweite Energieversorgung zukommt und jede Störung erhebliche Ölpreisschwankungen und Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zur Folge haben kann.
Die Straße von Hormus ist bereits seit der Antike eine der wichtigsten Seehandelsrouten der Welt. Vor der Sperrung bzw. Blockade der Seestraße durch den Iran fuhren täglich etwa 100 bis 140 Schiffe durch die Meerenge. Durch sie verläuft nahezu der gesamte Schiffsverkehr zwischen den Ölhäfen der Staaten Bahrain, Irak, Iran, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien sowie der Vereinigten Arabischen Emirate. Durch diese Lieferungen von den bedeutendsten Teilen der Erdöl- und Erdgasfördergebiete im Nahen Osten ist die Schifffahrtsstraße von weltweiter entscheidender Bedeutung.
Die Seestraße ist der wichtigste Engpass für den Ölexport nach Asien, Westeuropa sowie in die USA. Bis zum Ausbruch des Irankrieges am 28. Februar 2026 wurde sie täglich von Tankern mit einer Kapazität von ca. 20 Millionen Barrel Öl durchfahren, was etwa 20 Prozent des Weltölverbrauchs entspricht. Davon werden wiederum rund 80 Prozent üblicherweise an asiatische Abnehmer, vor allem in China, Indien und Japan, verschifft. Außerdem passierten im Schnitt täglich etwa 20 Prozent des weltweit verbrauchten Flüssigerdgases (engl.: liquefied natural gas, LNG = verflüssigtes aufbereitetes Erdgas, das auf -161 bis -164 °C abgekühlt wird und dadurch nur etwa ein Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem Erdgas aufweist) sowie ein Drittel des in Europa gebrauchten Flugzeugtreibstoffs die Meerenge.
Ca. zwei Drittel des deutschen Außenhandels wird über diesen Seeweg abgewickelt. Somit ist zu erwarten, dass vor dem Hintergrund der bestehenden Lieferkettenrisiken in den kommenden Wochen und Monaten viele Wirtschaftszweige und die allgemeine Versorgung betroffen sein könnten. Die Blockade der Straße von Hormus ist nicht nur ein Energieproblem, sondern sie hat gleichzeitig Auswirkungen auf die Bereiche Chemie, Luftverkehr, Gesundheitsversorgung, Düngemittel, Aluminium, Halbleiter und Lebensmittelpreise. So kam es direkt zu Kriegsbeginn zu einem sofortigen Preisschock, als die für Europa wichtigste Rohölsorte Brent als derzeitige Referenzsorte für den Weltmarkt innerhalb weniger Tage auf über 103 Dollar pro Barrel und somit rund 42% über das Vorkriegsniveau anstieg.
Bereits am 28. Februar 2026 empfingen Schiffe Funkmeldungen der Islamischen Revolutionsgarden, die die Sperrung der Straße von Hormus infolge des Irankriegs ankündigten. Am 2. März erklärte der Iran erstmals offiziell deren Schließung. Die Straße ist jedoch keine nationale Wasserstraße, sondern eine internationale Meerengenroute. Für solche Meerengen gilt nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) das Prinzip der sogenannten Transitdurchfahrt. Dies garantiert allen Schiffen mit friedlicher Absicht das Recht auf eine freie und ungehinderte Passage. Ein Küstenstaat ist demnach nicht befugt, die Durchfahrt willkürlich einzuschränken, zu kontrollieren oder von der Zahlung von Gebühren abhängig zu machen. Gebühren werden im internationalen Schiffsverkehr ausschließlich für die Nutzung künstlicher Wasserstraßen wie zum Beispiel dem Panamakanal oder dem Suezkanal erhoben. Berichten zufolge verlange der Iran derzeit aber bis zu zwei Millionen US-Dollar für eine Passage. Schiffe müssen, um die Straße von Hormus zu passieren, die Hoheitsgewässer des Oman und des Iran durchfahren. Die Durchfahrt soll nach dem UN-Seerechtsübereinkommen bzw. den älteren Genfer Seerechtskonventionen geregelt werden. Nach diesen Abkommen stünde allen Schiffen das Recht der friedlichen Durchfahrt zu, sofern die betreffenden Staaten diesen Abkommen beigetreten sind und diese somit unterzeichnet und ratifiziert haben.
Eine Alternative zum Schiffstransport über den Seeweg von Hormus wären die beiden Pipelines Crude Oil Pipeline der Vereinigten Arabischen Emirate und die saudi-arabische Petroline, die von der Transportkapazität her jedoch nicht vergleichbar sind. Die Habshan–Fujairah-Ölpipeline von Abu Dhabi bis ins Emirat Fudschaira ermöglicht das Umgehen der Straße von Hormus, jedoch kann sie mit rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag nur einen Bruchteil der normalerweise verschifften Mengen an Öl- und Gasprodukten durchleiten. Saudi-Arabien verfügt über eine doppelsträngige Pipeline quer über die Arabische Halbinsel von den Ölfeldern am Persischen Golf nach Westen über 1.200 Kilometer bis zum Hafen Yanbu‘ al-Bahr am Roten Meer. Deren Kapazität betrug zunächst etwa 5 Millionen Barrel pro Tag, derzeit beträgt sie kriegsbedingt ca. 7 Millionen Barrel pro Tag. Der dortige Hafen hatte vor Kriegsbeginn eine Verladekapazität von rund 3 Millionen Barrel täglich, mittlerweile konnte diese auf etwa 4,67 Millionen Barrel pro Tag gesteigert werden (Bildquelle: Atlas Institute for International Affairs).